Gewaltfreie Kommunikation: Was Menschen von Maschinen lernen können

Die Diskussionskultur in unserer Gesellschaft hat sich durch das Internet stark verändert. Mit Kommentarfunktionen, Sozialen Medien, Internetforen und Co. ist es einfacher geworden, die eigene Meinung zu veröffentlichen und mit anderen zu teilen. Das führt einerseits zu einem regen Meinungsaustausch über öffentliche Plattformen, andererseits kommt es durch die größere Anonymität und die Schnelllebigkeit des Internets auch schnell zu unüberlegten, undifferenzierten Äußerungen, die schnell in Hasskommentare und Beleidigungen umschlagen können.

Gerade beim Austausch auf Online-Plattformen wie Foren fehlt es immer häufiger an Moderatoren, die einerseits für einen höflichen Umgang beim Meinungsaustausch sorgen und andererseits auch andere Meinungen oder Auslegungen zulassen, damit sich die Community nicht nur innerhalb ihrer eigenen Wahrheit – auch Filterblase genannt – bewegt. Eine lebendige Debatte kann nur durch einen respektvollen Dialog entstehen, bei dem der eine dem anderen zuhört, ihn ernst nimmt und seinem Gegenüber mit Respekt und Sachlichkeit begegnet – eine Kultur der gewaltfreien Kommunikation.

Idletime – die höfliche Wartezeit beim Informationsaustausch

Maschinen beherrschen diese Form der Kommunikation schon längst. So gibt es beim Informationsaustausch zwischen technischen Geräten die sogenannte Idletime (dt. Wartezeit). Sie ist eine Zeitspanne, ein Leerlaufprozess, bei dem der Sender nach Abschicken eines Datenpakets so lange wartet, bis der Empfänger eine Meldung zurückgeschickt hat – eine Art höfliche Wartezeit, bei dem der eine dem anderen nicht ins Wort fällt.

In der industriellen Kommunikationstechnik gibt es eine klare Hierarchie zwischen den einzelnen Komponenten: Der sogenannte „Master“ ist derjenige, der etwas zu sagen hat und Befehle gibt; der „Slave“ ist an den Master angeschlossen und empfängt die Anweisungen. Wenn die Elektronik nun aber kaputt ist, bekommt der Master einen Befehl vom Slave. Dadurch kommt es zur Kommunikations-Kollisionen auf den Leitungen, d.h. immer wenn ein Teilnehmer redet, fällt er dem anderen ins Wort – das Gerät fängt typischerweise an zu spinnen. Mit der umgekehrten Logik lassen sich wiederum Kommunikationsfehler in der Industrietechnik lösen: Der Teilnehmer, der sich nicht ansprechen lässt beziehungsweise unaufhörlich redet, ist defekt, gestört, oder nicht ordnungsgemäß angeschlossen und muss ausgetauscht oder repariert werden.

Drei Regeln für eine respektvolle Debattenkultur im Netz

Ein Lösungsansatz zur gewaltfreien Kommunikation wäre es also zu versuchen, die Kommunikationstechnik der Maschinen zu vermenschlichen. Aus den Regeln des maschinellen Informationsaustausches lassen sich für die zwischenmenschliche Kommunikation drei wichtige Regeln ableiten.

Regel 1 – Ehrlich bleiben

Hinter einer Falschmeldung steckt nicht immer eine böse Absicht. Um zu einer ehrlichen und faktenbasierten Debattenkultur im Netz beizutragen, versuche ich das, was ich sage, nach bestem Wissen der Wahrheit zu veröffentlichen. Wer wissentlich die Unwahrheit sagt, sollte hingegen sachlich widerlegt oder gar sanktioniert werden.

Regel 2 – Vorsichtig bleiben

Schnell kann ein Beitrag in sozialen Netzwerken geteilt oder mit einem „Like“ markiert werden. Doch bin ich mir auch sicher, dass der Inhalt, den ich weiterverbreite, stimmt? Hier gilt im Zweifelsfall das Vorsichtsprinzip: Was ich nicht auf seinen Wahrheitsgehalt geprüft habe, gebe ich auch nicht weiter.

Regel 3 – Fair bleiben

Nicht immer passt mir der Standpunkt des anderen: Wenn ich nun aber Kritik übe, muss derjenige, der kritisiert wird, die Chance haben, sich zu rechtfertige. Daher suche ich mir eine Plattform, auf der sich mein Gegenüber auf Augenhöhe äußern kann und ausreichend Zeit hat, zu reagieren.

Auch wenn uns die industrielle Kommunikation Vorbild beim Meinungsaustausch sein kann, sollte man bei Diskussionen im Netz eines nie vergessen: Das Gegenüber, mit dem ich mich austausche und mit dem ich diskutiere, ist immer noch ein Mensch

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